Gedanken zur Zucht in Deutschland

Es kommt immer wieder zu Diskussionen über das Aussehen der Bosniaken. Warum ist der eine Hengst so gross, warum der andere so klein. - Und das sollen alles Tiere ein und derselben Rasse sein? - Sie sind es!

Im Heimatland:

Das Bosnische Gebirgspferd hat mehrfach sein Aussehen gewechselt. Der Urtyp ist sicherlich das ca. 120 - 130 cm grosse Pony mit kurzem Keilkopf und dichter Mähne gewesen. Bedingt durch die türkische Okkupation (14. bis 17. Jahrhundert) wurde der Bosniake stark von orientalischem Blut geprägt. Es entwickelten sich, bedingt durch die verschiedenen Standortverhältnisse verschiedene Typen. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde dann noch systematisch mit Arabern gekreuzt, um einen einheitlicheren Typ mit grösserem Stockmaß zu züchten. Der Versuch scheiterte. Die Pferde hatten zu wenig Fundament und waren für die Aufgaben im Gebirge nicht mehr geeignet. Um 1900 besann man sich auf den alten Typ und versuchte wieder kräftige und ausdauernde Pferde zu züchten. Trotzdem wurden noch bis in die 80er Jahre immer wieder Araber eingekreuzt. Neben den arabisierten Typen gab es nun auch noch schwerere Pferde des alten Typs mit kräftigem Fundament und der alten Leistungsfähigkeit des Gebirgspferdes, aber geringerem Stockmaß. Natürlich kamen auch Kreuzungsprodukte aus beiden Typen vor. Dr. Flade schreibt in seinem Buch “Kleinpferde” noch über einen schweren Typ, der in Borike gezogen wurde. In Borike wurden Hengste für die Aussendeckstellen im Land gezogen.
Schon vor dem Bürgerkrieg in Jugoslawien wurde die kontrollierte Zucht im Lande stark eingeschänkt. Bei einer “kontrollierten Zucht” darf man aber nicht von deutschen Verhältnissen ausgehen. Papiere waren uninteressant. Das Pferd musste funktionieren. Entweder als Arbeitspferd in den unzugänglichen Regionen, vor dem Wagen oder auf der Rennbahn. Ein Hengst blieb Hengst, solange er ordentlich zu handhaben war. Wurde er schwierig, ging er in die Wurst und sicher nicht zur Kastration. Damit war ein großes unkontrolliertes Hengstpotential im Umlauf. Das Staatsgestüt nahm mit seinen Hengsten auf den Aussenstellen mit minimalsten Deckgebühren nur wenig Einfluss auf die Zucht. Es wurde im Lande munter mit Kaltblütern, Arabern, Arabermischlingen und Lippizanern gekeuzt und diese Kreunzungsprodukte wieder untereinander. Sogar das Staatsgestüt soll Lippizaner eingekreuzt haben, da man mit Arabern zu schlechte Erfahrungen gemacht hatte.

In Deutschland:

Es hat mehrere Zuchten von Bosnischen Gebirgspferden in Deutschland gegeben. Die Hengste wurden meist im Staatsgestüt für einen Hohen Preis (Devisenbringer!) gekauft und nach Deutschland gebracht.
In Süddeutschland gab es die Zucht Allgaier mit einem BARUT 2147, in Nordrhein-Westfalen gab es die Zucht von Dr. Kuhn mit einem MISKO 180. Im Raum Köln gab es eine weitere Zucht mit einem MISKO-Hengst. Bedingt durch die wenigen Hengste kam es zu einer grossen Anzahl von Inzuchtprodukten. Scheinbar wussten die Züchter damals nichts voneinander.
Der nächste Zuchtversuch im Raum Bonn basierte auf den Pferden der Allgaier-Zucht und Importen von Reinhard Schulze (Dannenbüttel). Der Hengst BARUT I ist ein Sohn des BARUT 2147 und einer BARUT 2147-Tochter.
Die Importe von Reinhard Schulze waren auf Pferdemärkten in Bosnien zusammengekauft und nur grob optisch auf Zuchtverwendung geprüft (also alle Grössen und alle Farben).  Hengste durften offiziell nicht ausgeführt werden. Als Wallach deklariert, wurde der Hengst MISKO ausgeführt und kam in Deutschland zur Zucht. (Köhrung beim ZfDP - Wiederruf wegen fehlender Abstammungsnachweise). Kaum ein importiertes Pferd hatte irgendwelche Papiere, aber trotzdem tauchten immer wieder Pferde aus den Importen mit vollen Papieren auf. Diesem Treiben wurde von den anerkannten Zuchtverbänden ein Ende gemacht.

Die Situation heute:

Es existieren ein ganzer Teil von Bosnischen Gebirgspferden in Deutschland. Die Pferde gehören unorganisierten Personen oder Mitgliedern der beiden Vereine. Es handelt sich um Pferde der alten Zuchten, Importe und deren Nachkommen (es sind alle Farben vorhanden, aber die dunklen Typen überwiegen stark). In Deutschland werden die Pferde im Rheinischen Pferdestammbuch und bei Equus International geführt. Die Hengste sind ordentlich geköhrt und im Hengstbuch 1 für ihre Rasse eingetragen. Die Zucht gillt als eine “Erhaltungs-Zucht”. Hier soll aus den zur Verfügung stehenden Beständen die Rasse erhalten werden. Da über die Abstammung der meisten Tiere keine Informationen vorliegen, kann man auch nicht von einer Reinzucht im normalen Sinne sprechen. Natürlich betreiben wir Reinzucht, in dem wir hier und heute keine weiteren Fremdrassen mehr einkreuzen. Aber wie will man auf lange Sicht mit 4 Hengstlinien eine Zucht aufrecht erhalten, ohne Inzucht zu betreiben? Nicht jeder Hengst ist für jede Stute geeignet. Mit der Zeit werden die Unterschiede zwischen den Nachkommen immer geringer und der Typ vereinheitlicht sich. Die alten Zuchtpferde werden aus der Zucht ausscheiden und die deutsche Nachzucht wird sich langsam zu einem eigenständigen Typ auf der Basis des Bosnischen Gebirgspferdes entwickeln. Die Gegebenheiten  in Deutschland entsprechen auch in keiner Weise dem Heimatland. Da kann man von Offenstallhaltung und kargen Weiden reden und trotzdem sind weder Futter, noch Klima so wie im Heimatland. Wir werden sicherlich keine Mangelernährung fördern, nur weil man im Heimatland einfach kein Geld oder keine Möglichkeiten hatte, entsprechende Futtermittel zuzufüttern. Durch all diese Aspekte verändern sich die Pferde in Deutschland unaufhaltsam. Wichtig ist für uns der Erhalt dessen, was das Bosnische Gebirgspferd ausmacht: Härte, Mut, Ausdauer, Zuverlässigkeit und ein guter Charakter.    

    Quellen:
    Kleinpferde 
    -  Dr. J. Flade / K. Gleß
    Welches Pferd ist das? -  Jasper Nissen (die Beschreibung der Bosniaken entspricht demTyp um 1900)
    Pferdezucht - Löwe / Hartwig

    Alle Quellen geben die (aktuelle) Einkreuzung von Arabern an und führen folgende Farben auf: Braun, Rappe, Schimmel - Füchse und Falben seltener. Die Größe variiert zwischen 130 und 140 cm.