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Das Bosnische Gebirgspferd
Das Bosnische Gebirgspferd (kurz auch Bosniake genannt) stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien.
Kerngebiet dieser Kleinpferdezucht war im wesentlichen die Region Bosnien - Herzegowina. Schon Karl May beschrieb in seinem Buch "In den Schluchten des Balkan" diese Region als ein recht unzugängliches Land mit
großen Höhenunterschieden und unterschiedlicher Vegetation.
So existieren neben fruchtbaren Talbereiche, in denen die Futtergrundlage für Pferde recht gut ist, karstige, unwegsame Höhenlagen, mit überwiegend kargen Futterbedingungen. Es nimmt nicht Wunder, daß sich diese
Pferderasse zum Teil regional unterschiedlich in Fundament und Größe entwickelte.
Die Tatsache, daß Bosnien-Herzegowina wohl zu den ärmsten Regionen des ehemaligen Jugoslawiens zählt, gestaltete eine gezielte Reinzucht oftmals recht
schwierig, denn den Bauern war es finanziell kaum möglich ihre Stuten zu einem entsprechend hochwertigen Hengst zu bringen, der womöglich 30 - 50 Km -
oder noch weiter entfernt in den staatlichen Gestüten oder deren Außenstellen aufgestellt wurde. Hinzu kam, daß aus Geldmangel im damaligen kommunistischen Jugoslawien nach und nach mehrere Gestüte geschlossen
werden mußten. So wurde dann auf größeren Bauernhöfen einige Hengste aufgestellt, die zudem nach einigen Jahren in den Besitz der Bauern übergehen konnten. Mit dieser Maßnahme sollte eine Einflußnahme auf die
Zucht genommen werden, zumal die Decktaxe bewußt sehr niedrig gehalten wurde.
Der über Jahre andauernde Bürgerkrieg zerstörte indessen die letzten Organisationsformen dieser Pferdezucht und Insider-Berichten zur Folge
existieren in dieser Region keinerlei Abwicklungsstellen mehr, um eine geordnete Zucht zum Erhalt dieser wertvollen Pferderasse zu garantieren.
Desweiteren muß man davon ausgehen, daß der Restbestand im Heimatland nunmehr mit anderen Rassen willkürlich vermischt wird und vollkommen verschwindet.
Eine historische Kulturrasse am Ende? (zurück)
Fast alle Rassebeschreibungen der gängigen Nachschlagewerke beziehen sich auf einige, wenige Autoren, die ihre Daten meist vor dem 2. Weltkrieg
gesammelt haben. Zu diesem Zeitpunkt setzte aber gerade ein Umdenken ein. Der Bosniake sollte wieder zu den traditionellen Blutlinien zurückgeführt
werden. Bedingt durch die jahrhundertelange türkische Besetzung des Balkans und den intensiven Einfluß orientalischer Pferde, war aus dem verhältnismäßige
groben Gebirgspony ein größeres, stark arabisiertes, leichtes Reitpferd geworden, daß jedoch für die bäuerlichen Ansprüche unbrauchbar wurde. 1933 nun erfolgte die Verwirklichung der Rückbesinnung auf den ursprünglichen
Typ des kleinen, trittsicheren Bergbauernponies, das als Zug- und Tragpferd in dem schwierigen Gelände Bosniens unschlagbar war.
Mit drei Hengsten wurde der Anfang gemacht: MISKO, BARUT und ASLAN.
Das angestrebte Zuchtziel lag bei Stockmaß 140 cm, bei entsprechend kräftigem Fundament, ein für die karge Gegend ideales trittsicheres Trag und Arbeitspferd mit vielseitigen Einsatzmöglichkeiten. Kaum daß in relativ kurzer
Zeit das gesteckte Zuchtziel im wesentlichen erreicht war, setzte nach dem 2. Weltkrieg weltweit eine Entwicklung ein, die das Pferd aus dem landwirtschaftlichen Geschehen zunehmend verdrängte: die allgemeine
Motorisierung.
Obwohl im unzugänglichen, gebirgigen Bosnien diese Entwicklung nur zögerlich voranschritt, verschwanden auch hier mehr und mehr die Pferde aus der Landwirtschaft, zugunsten der Traktoren. Auch der einstige
“Großabnehmer” von Bosnischen Gebirgspferden - das Militär - wurde motorisiert und benötigte nunmehr weniger Pferde als Tragtiere für die Gebirgseinheiten.
Der Rückzug des Staates aus der organisierten und kontrollierten Pferde- zucht, noch vor dem Zerfall Jugoslawiens, ließ die Zucht völlig außer
Kontrolle geraten. Ganz sicher mindert ebenfalls der gerade erst beendete Bürgerkrieg in der Region die Chancen zum Erhalt der Rasse. Beim Neuaufbau
eines Landes gibt es sicher wichtigere Dinge als die Reinzucht von Pferden.
Bosnische Gebirgspferde in Deutschland (zurück)
Schon seit 1970 wurden Bosniaken nach Deutschland importiert. Vielfach sind diese Kleinpferde in den verschiedensten Zuchtverbänden in der Kategorie Reitpony aufgegangen, da man dort mit der Rasse "nichts anfangen
konnte". Zumeist sind sie gar nicht registriert worden. Lokal hat es immer wieder Reinzuchtversuche gegeben, die meist mit einer Person verbunden
waren und irgendwann aus den verschiedensten Gründen eingestellt wurden.
Der Weg des Bosniaken nach Deutschland
Der Weg des Bosnischen Gebirgspferdes nach Deutschland ist nur schwer nachzuvollziehen. Einen Weg haben wir zurückverfolgen können: Als großer Karl-May-Fan ( In den Schluchten des Balkan, Durch das Land der
Skipetaren) ergriff Walter Dill (Hägerhof) 1968 die Gelegenheit zu einer Pauschalreise nach Jugoslawien. Eine Bustour ins Landesinnere brachte ihn zum ersten mal mit den Bosnischen Gebirgspferden zusammen. Als Sohn aus
einer Viehhändlerfamilie sah er sofort die Qualität dieser Pferde. Wieder in Deutschland bereitete er sofort alles für den Import vor. Aber so einfach war das
nicht mit dem Ostblockhandel. Erst 2 Jahre später standen die ersten Bosnischen Gebirgspferde auf dem Hägerhof. Kurz darauf stieg der Araberzüchter Reinhard Schulze (Dannenbüttel) in den Handel ein.
Zusammen brachten die beiden Männer über 3.000 Bosnische Gebirgspferde im Zeitraum von 1970 bis 1991 nach Deutschland. Die letzten Jahre vor dem Bürgerkrieg fuhr nur noch Reinhard Schulze zu den Märkten in Bosnien. Er
kaufte im Auftrag einiger Züchter zur Zucht verwendbare Tiere, bevorzugt tragende Stuten.
Kann das Bosnische Gebirgspferd erhalten werden?
Die derzeitige Zucht des Bosnischen Gebirgspferdes in Deutschland ist inzwischen gut organisiert und beschränkt sich glücklicherweise nicht mehr auf einen Zuchtbetrieb. 1993 wurde die Interessengemeinschaft Bosnische
Gebirgspferde e.V. gegründet. Auch wenn die Population derzeit noch recht klein ist, so ist ein vielversprechender Anfang zum Erhalt der Rasse hier in
Deutschland gemacht. Inzwischen konnten weitere Züchter aus allen Teilen der Bundesrepublik für die Sache gewonnen werden. Durch die größere Auswahl
von Hengsten der verschiedensten Blutlinien soll das Risiko einer zu engen Blutführung - sprich Inzucht - vermieden werden.
Derzeit verfügen die Züchter in der IG über 4 verschiedene Hengstlinien. Würde man die Hengste in Typkategorien einteilen, so gäbe es den kleinen, aber
kräftigen Landschlag, den arabisierten Typ und den Lippizaner-Typ. Eines ist aber allen Hengsten gemein: ein absolut guter Charakter.
Das Bosnische Gebirgspferd ist kein Rennpferd; es ist ein Ausdauerpferd. Über lange Jahre sind sie immer wieder im Distanzsport aufgetaucht und haben sich
dort als absolute Ausdauerpferde bewährt. Natürlich bieten sich solche Pferde geradezu für Wanderritte an. Familie Theisen aus Düsseldorf setzte ihre Pferde
nicht nur erfolgreich im Distanzsport ein (Stute Dunja - über 3000 Km, die Wallache Dachs und Marko über 1000 Km), sondern unternahmen auch häufig längere Wanderritte. Dabei wurden die Bosnischen Gebirgspferde sowohl als
Reit- wie auch als Tragpferd eingesetzt.
Rasse-Steckbrief
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Stockmaß z. Z. :
128 - 148 cm
Farbe :
alle Farben, kaum Abzeichen
Kopf :
meist ausgeprägter Ponykopf mit geradem Nasenrücken und breiter Stirn. Teilweise auch mit trocknem und leicht orientalischem Kopf
Gebäude :
- gerader, kräftiger Rücken
- kräftiger, nicht zu langer Hals
- schräge Schultern
- kräftige Rippenwölbung
- tief angesetzter, buschiger Schweif
- meist kleine, harte Hufe
Typ & Charakter :
Extrem leistungsfähiges kleines Gebirgspferd von großer Ausdauer und Genügsamkeit. Hervorragende Eignung in schwierigem Gelände, verbunden mit gutem Orientierungssinn und absoluter Trittsicherheit. Durch
starken Charakter und wache Intelligenz nicht immer einfach im Umgang. Ausgezeichnet mit großer Neugier allem Fremden gegenüber, zeigen sie kaum Angst. Bosniaken sind im allgemeinen sehr anhänglich.
Zucht :
(zurück)
Das Bosniakengestüt "Am Burger Berg" wird in allen Fragen vom Rheinischen Pferdestammbuch in Bonn betreut.
Hengste auf dem Bosniakengestüt 2007:
Branko *1989 Rappe Stm.: 131 cm
Bozo *1991 Rappe Stm.: 146 cm
Janosch *1991 Brauner Stm.: 134 cm
Bela *1993 Brauner Stm.: 136 cm
Raiko *1997 Rappe Stm.: 139 cm
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